Bio-Weinbau

Eingereicht von budig am 23. Feb 2010 - 10:47

Informationen über Bio-Weinbau anläßlich der weltweit größten Bio-Messe „BioFach“ in Nürnberg.
Hören Sie hier das komplette Interview mit unserem Kellermeister, Alf Ewald, über den Einfluss der Bio-Bewegung im Weinbau. {{{MP3PLAYER24}}}
Winterroggen zwischen den Weinreben, Gerste oder rapsähnliche Rübsaat. Wer durch die Weinberge der Georg Müller Stiftung in Hattenheim im Rheingau läuft, findet eine Vielzahl an verschiedenen Pflanzen und Tierchen.

Das Credo von Gutsverwalter und Kellermeister, Alf Ewald: „Wo ein Ökosystem gut funktioniert, fühlt sich jedes einzelne Lebewesen wohler, somit dann auch die Rebe“.


Die spezielle Mischung aus Hülsenfrüchten, die Ewald im Weinberg aussät, stammt aus dem biologisch dynamischen Anbau. Die Pflanzen haben kleine Knöllchen in den Wurzeln, und die arbeiten.
Alf Ewald: „In diesen Knöllchen leben Bakterien, die den Stickstoff aus der Luft binden. Wenn diese Pflanzen abgeblüht sind, mähen wir die um, arbeiten die in den Boden ein und somit haben wir Luft, Stickstoff im Boden gebunden und können vollkommen auf chemische Stickstoffdüngung verzichten“.

Das klingt genial, aber längst nicht alle Winzer verwenden diese Methode. Die Weinreben brauchen Stickstoff und Kaliumphosphat. Biowinzer düngen mit Kompost, Stallmist oder Gesteinsmehlen, erzählt Andreas Booß, Leiter des Weinbauamts in Eltville. Konventionelle Winzer können chemische Düngemittel streuen. Es werden auch chemische Mittel gesprüht, um die Reben vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen.


Andreas Booß: „Der Weinbau kommt noch nicht umhin, diese Mittel einzusetzen, die Temperaturen in Weinbergen sind höher als in der sonstigen Umgebung, und das fördert natürlich insbesondere den Befall von Pilzen“.


Auch in der Georg Müller Stiftung wird auf den Einsatz von Pflanzenschutz nicht verzichtet.


Alf Ewald: „Ich mache als Experiment immer einen kleinen Weinberg, immer den gleichen, lass ich komplett ungespritzt, was zu 90 % zum Totalausfall führt und in ganz wenigen Jahren ist er sehr gesund und liefert gute Trauben ab, aber daran sieht man, dass das Risiko zu hoch ist, auf das Spritzen zu verzichten“.

Ein erfolgreiches Beispiel für Bio im Weinbau ist die sogenannte „Verwirrmethode“. Im ganzen Rheingau hängen kleine braune Plastikampullen an Reben und Bäumen. Sie duften. Die Duftstoffe verwirren einen Schädling, den Traubenwickler. So findet das Männchen das Weibchen nicht mehr. Dadurch ist es nicht mehr nötig, den Schädling chemisch zu bekämpfen.

Für Winzer Alf Ewald ein großer Erfolg: „Worauf wir zum Glück vollkommen verzichten können, sind Insektizide. Das Insekt, was für uns im Weinbau das gefährlichste ist, der Traubenwickler, wird hier flächendeckend von allen Winzern gemeinsam bekämpft. Die restlichen Insekten dürfen gerne bei mir auf den Reben herumkrabbeln, die mache ich nicht kaputt“.


Andreas Booß vom Weinbauamt rechnet damit, dass biologische Methoden im Weinbau weiter zunehmen. Die Zeiten, dass Biowinzer belächelt werden, sind längst vorbei. Andreas Booß: „Grade bei uns ist es ja so, dass viele Spitzenwinzer auf ökologischen Weinbau umgestellt haben und die zeigen, dass es auch möglich ist“.

 

Auch Alf Ewald sieht eine weitere Entwicklung hin zum Biologischen. „Wenn man guten Wein machen will, kommt man gar nicht drum herum, biologisch zu arbeiten. Unser normaler Weinbau von heute ist im Grunde genommen der Bioweinbau von vor 20 Jahren. Insofern wird sich das auch immer weiter in diese Richtung entwickeln und diese Entwicklung ist gut“.

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